15
Dez
2013

Kopfkino

Mit einigen Tausend Menschen teile ich jeden Morgen ein gemeinsames Schicksal: ich stehe auf der A52 im Stau. Doch egal ob es sich um diese oder eine andere Autobahn handelt, denn es ist überall im gleichen Maße frustrierend. Wie oft mir in den vergangenen Jahren die Frage durch den Kopf gegeistert ist, welchen Grund die jeweilige Blechlawine hatte, kann ich nicht genau beziffern, doch spielt es auch gar keine Rolle. Natürlich gibt es einige wetterbedingte Einflüsse wie Schnee, Regen, Nebel, erster dunkler Morgen zum Herbstbeginn, erster heller Morgen zum Frühlingsbeginn oder ähnliches, Hauptsache es begründet das Stehen auf dem Weg zum Ziel. Im Laufe der Jahre oder perspektivisch anders betrachtet mit zunehmendem Alter habe ich jedoch das Gefühl, dass es nicht mehr wichtig ist, in welcher Form oder in welchem Umfang das Naturphänomen, was zum beinahe Erliegen des Verkehrs geführt hat, auftritt. Priorität hat lediglich, dass es vorhanden ist. Denn wie sollten wir uns sonst erklären, warum wir nur im Schritttempo voranrücken. Für mich habe ich eine Theorie entwickelt, die darauf basiert, dass einige von uns es einfach wollen, ja nahezu herbeisehnen, dieses morgendliche und sich am Abend meistenteils wiederholende Erlebnis des Kolonnefahrens mit anderen zu teilen. In ihren morgendlichen Vorstellungen läuft das Szenario in der täglichen Routine, die eines jeden Alltag grundsätzlich prägt, gleichermaßen ab. Dieser Spielfim im Kopf ist nach einem festen Drehbuch eingespielt und auch die Akteure haben in diesem wiederholenden Machwerk ihre feste Rollenverteilung. Oder wie sonst sollte ich verstehen können, wenn die etwas übervorsichtige oder zur Nervösität leidende bebrillte Dame sich mit 60 km/h auf der linken Spur abmüht, während rechts auf ca. 200m alles frei ist. Oder der emotional angespannte Opel-Fahrer die letzten Möglichkeiten aus seinem fahrbaren Untersatz herausholen will, um dem hinter ihm eiligen Insassen eines Audis zu zeigen, dass er nicht gewillt ist, ihn vorbei zu lassen, auch wenn die rechte Spur hierzu ausreichend Platz aufweisen würde (sollte sich vielleicht hier eine unserer beliebten „Neiddebatten“ aufdrängen?). Und ganz nebenbei drängt sich hier die Besprechung der rechten Fahrbahnseite geradezu auf. Um es vorweg zu nehmen, dies ist nicht die Spur der „Verlierer“, derjenigen, die nicht in der Lage sind, der Schnelligkeit, oder manchmal auch dem Egoismus und der Rücksichtslosigkeit der anderen zu folgen. In Deutschland gilt das Gebot des Rechtsfahrens, zumindest soweit ich informiert bin. Und deshalb ist es auch wahrlich keine persönliche Niederlage, diese Fahrbahnseite zu benutzen und einen eventuellen Überholvorgang des vorfahrenden LKWs durch eine zügige Links-Rechts-Kombination durchzuführen. Vielleicht beginnt dann ein allgemeines Umdenken und der eine oder andere erinnert sich noch an die längst vergangenen Fahrschultage. Sollten wir dieses Kopfkino so weit führen können, dass sich aufgrund der allgemeinen Haltung, also weg vom Egoismus hin zum Mitdenken für die Allgemeinheit, nachweislich ein paar Staukilometer am Tag einsparen lassen könnten? Sollte es dann auch mir vergönnt sein, morgens pünktlich an meinem Arbeitsplatz zu erscheinen ohne den Blick jeden Tag sorgenvoll auf mein Zeitkonto zu lenken, dass schon wieder einige Stunden mehr im Minus ausweist, weil ich mal wieder für eine 50 Kilometer-Strecke fast zwei Stunden benötigt habe? Oh du selige Traumwelt! Bevor es zu diesem Idealzustand kommen wird, werde ich mich weiterhin an der Realität orientieren und jeden Tag das gleiche Stoßgebet gen Himmel schicken mit der Bitte, mehrheitlich die Autofahrer auf meinem Weg zu haben, die der mitdenkenden Form unserer Speziez zugehören.
Da ich dieses Ende jedoch zu destruktiv finde, hier noch eine kleine Anekdote aus dem letzten Winter:
Nach nahezu 1 ½ qualvollen Stunden, die ich bereits auf dem Weg nach Düsseldorf hinter mich gebracht hatte, stand ich auf einer Straße, die zum Messegelände führt. Meinen Coffee-to-go-Becher, der seit einiger Zeit nur noch Luft beinhaltete, hielt ich ziemlich geistesabwesend in der Hand, und weil die Zeit unaufhörlich verrann, und es nicht weiterging und ich mich bereits für den Planung des Restprogramms dieses Tages unabänderlich Richtung Chaos bewegte, rannen mir aus purer Verzweiflung die Tränen über mein Gesicht. Auf einmal klopfte jemand von links an meine Scheibe (richtig aufgemerkt, ich fuhr auf der rechten Spur!!!). Ein Taxifahrer war auf seinen Beifahrerplatz gerückt und hielt mir seine Thermoskanne durch das geöffnete Seitenfenster. Auch ich hatte meine Scheibe heruntergedreht und hielt ihm so tränenüberströmt und dankbar meinen Becher entgegen, ohne auch nur ein Wort sagen zu können. „Sie sahen so traurig aus, dass ich dachte, sie könnten vielleicht einen Schluck Wärme vertragen.“ So herzlich, wie es mir möglich war, angesichts meiner tränenerstickter Stimme, bedankte ich mich dann doch noch bei ihm und werde diesen wunderbaren Menschen, an dessen Gesicht ich mich leider nicht mehr erinnern kann, nie mehr vergessen. Für solche Augenblicke der Menschlichkeit danke ich dem lieben Gott. Der Kaffee war wunderbar, und der Stau gar nicht mehr vorhanden.

1
Dez
2013

Hallo, da bin ich!

Tja, diese Frage weiß ich gelegentlich selbst nicht zu beantworten, sieht man es einmal aus pädagogischer, philosophischer, politischer, kultureller Sicht, oder welcher Art auch immer. Es könnte also durchaus schwieriger werden. Halte ich mich also an die knallharten Fakten. Mein Name ist Monika Vogeler, zur Zeit bin ich 43 Jahre alt (und es ist besonders wichtig, dass ich dies mit hinzufüge, denn wer weiß, wie alt ich sein werde, wenn mein Machwerk endlich das Licht der Öffentlichkeit erreichen wird), verheiratet in erster Ehe mit meinem Mann, Mutter von zwei Töchtern oder, wie ich gerne sage, stets kurz vor der Erruption stehender Vulkane. Außerdem bin ich noch Tochter meiner Eltern, Schwester meiner Brüder, Hausfrau, katholisch, Freundin meiner Freundinnen, Chauffeur, Krankenschwester, Nachhilfelehrerin, Putzfrau und eine Feindin kann ich manchmal auch sein. Und all das in Personalunion, eben wie es gerade verlangt wird. Ach so, und eine Teilzeitstelle á 20 Stunden in der Woche habe ich auch noch. Und fast hätte ich Jette vergessen. Unsere süße vierjährige Labradorhündin. Sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich mit unserem vierbeinigen Familienmitglied die Hundeschule besucht habe, damit sie sich gut benimmt? Hab ich hiermit gemacht. Kommen wir nun zu der alles entscheidenden Frage: Was will ich hier eigentlich? Seit Jahren schreibe ich still vor mich hin, manchmal zu nachtschlafender Zeit (so um 1), manchmal in den frühen Morgenstunden (so gegen 6) und manchmal zu ganz zivilen Zeiten, an denen jeder andere durchschnittliche Mensch eben auch wach ist. Die Themen, zu denen ich den einen oder anderen Satz niederschrieb waren und sind so unterschiedlicher Colour wie das Leben. Es geht um Ehemänner und die Ehe, um Liebe, um Kinder, um Berufstätigkeit, um Autos, um die liebe und manchmal ach so anstrengende Verwandtschaft, um Freundschaften, um Wünsche und Hoffnungen und um so vieles mehr, und es geht um uns, ja, um uns Frauen und wie unglaublich toll wir (nicht immer, aber immer öfter) sind.
Was ich erreichen will, ist , dass Sie sich morgens aus dem Bett schwingen, sich nach dem Brötchenkauf oder nach dem Rundlauf in den Hundeausgehklamotten mit dem herzigen Vierbeiner oder bevor das lustige Sportprogramm der lieben Kleinen den Tag bestimmen wird oder die Schwiegereltern über Sie hereinbrechen, bei einer guten Tasse Kaffee oder Tee freuen, meinen Blog zu lesen. Meine Gedanken oder Erlebnisse sollen Sie zum Lachen bringen, Sie zum Nachdenken anregen oder Ihnen vielleicht einen anderen Blickwinkel aufzeigen. Oder Sie drücken den Aus-Knopf und sagen: „Brillanter Schwachsinn, nicht zu gebrauchen!“ Wäre auch eine Reaktion. Und wenn dann auch noch die Männer, und alle anderen Spaß daran fänden, umso vieles besser.
Also bleiben sie dran!
logo

Der Plan der Ente

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Kopfkino
Mit einigen Tausend Menschen teile ich jeden Morgen...
Der Plan der Ente - 15. Dez, 22:34
Hallo, da bin ich!
Tja, diese Frage weiß ich gelegentlich selbst nicht...
Der Plan der Ente - 1. Dez, 21:45

Links

Suche

 

Status

Online seit 4438 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Dez, 22:34

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren